Diese Zusammenfassung der Diplomarbeit mit dem Thema "Wirtschafts-
und Regionalentwicklung Boliviens unter besonderer Berücksichtigung
von Strukturanpassungsprogrammen seit 1985" soll einen Überblick
über die Fragestellung, den Aufbau, die Methodik und die
Ergebnisse geben. Damit werden in Kurzform die wichtigsten charakteristischen
Elemente dieser Arbeit dargestellt.
Die Wirtschaftsgeographie setzt sich grundsätzlich mit der
Analyse regionalökonomischer Prozesse auseinander. Durch
die Komponente "Raum" unterscheidet sie sich von anderen
wirtschaftswissenschaftlichen Studien. Der Raumbezug ermöglicht
die Analyse wirtschaftlicher Prozesse in räumlich differenzierter
Weise. Der raumwirtschaftliche Ansatz nach Prof. Schätzl
an der Universität Hannover setzt sich aus den 3 Komponenten
Theorie, Empirie und Politik zusammen. Die Theorie stellt verallgemeinerte
abstrahierte Modelle zur Erklärung raumökonomischer
Prozesse zur Verfügung. Die Empirie beinhaltet die quantitative
Analyse dieser Prozesse. Die Politik stellt Instrumente zur Raumgestaltung
zur Verfügung. Diese 3 Komponenten stehen in einer Interdependenz
von Struktur, Interaktion und Prozeß.
Die Diplomarbeit ist in diesem Kontext zu sehen. Bolivien wurde
als ein Beispielraum ausgewählt, der sich auch durch andere
Räume und seinen regionalen Untergliederungen in anderen
Maßstabsebenen ersetzen läßt. Strukturanpassungsprogramme
des Internationalen Währungsfonds und der Weltbankgruppe
in Zusammenarbeit mit der bolivianischen Regierung stellen konkrete
wirtschaftspolitische makroökonomische Maßnahmen dar.
Die Analyse der regionalökonomischen Prozesse in Bolivien
ist eine quantitative empirische Analyse zur exakten Bestimmung
räumlicher Dynamik. Wirtschaftsgeographische Arbeiten sind
problemorientiert und geben ein Instrumentarium in die Hand, diese
Probleme zu beschreiben, analysieren und Problemlösungen
regionalökonomischer Art aufzuführen.
Bolivien und der Anlaß der Arbeit
Bolivien gilt als ein Musterbeispiel zur Umsetzung der Strukturanpassungsprogramme
des Internationalen Währungsfonds und der Weltbankgruppe.
So gelang es Bolivien, die jährliche Inflationsrate von 23.500%
im Jahr 1985 auf ein einstelliges Niveau zu senken. Das Bruttosozialprodukt
wuchs 1994 um rund 4% nach einer Abnahme um real 25% zwischen
1980 und 1985. Das öffentliche Defizit einschließlich
der staatseigenen Unternehmen als Anteil am Bruttosozialprodukt
fiel von 25% 1985 auf 3% 1992. Auf der anderen Seite lebten 1994
60% der bolivianischen Bevölkerung unter der Armutsgrenze.
Das Pro- Kopf- Einkommen ist mit das niedrigste Südamerikas
und liegt im lateinamerikanischen Vergleich nur über dem
von Haiti und Nicaragua. 1994 hatten nur 33% der Landbevölkerung
Zugang zu Trinkwasser und 17,5% zu einer medizinischen Grundversorgung.
Diese zwei Seiten der ökonomischen Entwicklung Boliviens
seit der Realisierung von Strukturanpassungsprogrammen im August
1985 betrachten jeweils die nationale Maßstabsebene. Im
Rahmen dieser Arbeit wird die regionalökonomische Entwicklung
Boliviens auf der Ebene der Departamentos
Arbeitsleitende Fragestellungen
Die vorstehend genannten und viel verwendeten Indikatoren wie
Pro- Kopf- Einkommen, Preisstabilität und Außenhandelssaldo
einer Volkswirtschaft geben keine Auskunft über die Entwicklung
und den Stand einer Volkswirtschaft im Vergleich zu einem übergeordneten
Vergleichsraum wie Südamerika sowie über die regionale
Verteilung und Struktur ökonomischer Aktivitäten innerhalb
der Volkswirtschaft. In diesem Kontext werden für die Analyse
der Wirtschafts- und Regionalentwicklung in Bolivien unter besonderer
Berücksichtigung von Strukturanpassungsprogrammen seit 1985
folgende arbeitsleitenden Fragestellungen formuliert:
Aufbau und Methodik der Arbeit
Als Grundlage für die Arbeit werden für den internationalen
Vergleich Statistiken internationaler Organisationen herangezogen.
Diese enthalten jedoch kein regional differenziertes Material.
Das INE (Institut Nacional de Estatística = Nationales
Statistik- Institut) in Bolivien veröffentlichte im Dezember
1996 eine umfassende Datensammlung mit einer regionalen Untergliederung
in Departamentos auf der Grundlage der Empfehlungen
der Vereinten Nationen zur Erstellung der volkswirschaftlichen
Gesamtrechnung. Sie bilden die Grundlage für die Analyse
regionalökonomischer Entwicklungen.
Die regionalökonomische Analyse wird in qualitativer und
quantitativer Hinsicht vorgenommen. Um eine Einordnung und Interpretation
der Ergebnisse zu ermöglichen sowie ein Erklärungsmuster
für die Konzeption der Strukturanpassungsprogramme nutzen
zu können, werden in einem ersten Schritt Elemente der Außenhandelstheorie
sowie ausgewählte regionale Wachstums- und Entwicklungstheorien
einschließlich der zugehörigen Strategien vorgestellt
und auf ihre Anwendbarkeit und Aussagekraft hin diskutiert. Desweiteren
dienen diese Theorien als Grundlage zur Erläuterung des allgemeinen
Konzeptes von Strukturanpassungsprogrammen genauso wie zur Genese
der tatsächlich realisierten Wirtschaftspolitik dieses Landes.
Aus diesen Theorien heraus werden zwei Szenarien möglicher
regionalökonomischer Entwicklungen Boliviens erarbeitet.
Dabei wird Bolivien als untergeordnete Ebene in einem kontinentalen
Vergleich sowie als übergeordnete Ebene in einem Vergleich
der Bundesländer betrachtet. Anhand dieser aus den für
die Strukturanpssungsprogramme und die regionalökonomische
Entwicklung relevanten Theorien entwickelten Szenarien soll die
tatsächliche regionalökonomische Entwicklung Boliviens
auf ihren theoretischen Kontext hin überprüft und bewertet
werden.
Dem folgend werden die Strukturanpassungsprogramme in ihrer Zielsetzung,
Konzeption und ihren Maßnahmen aus der theoretischen Grundlage
heraus vorgestellt und diskutiert sowie deren konkrete Umsetzung
und Realisierung in Bolivien dargestellt. Grundsätzliche
und damit konzeptionelle Kritik an den Strukturanpassungsprogrammen
sowie Kritik von der nationalen Opposition und der Bevölkerung
an der tatsächlichen Umsetzung werden mit ihren Auswirkungen
auf die Konzeption und deren Modifikation in die Betrachtung mit
einbezogen. Damit sollen die Fragen (3) und (4) qualitativ beantwortet
werden.
Anschließend erfolgt die eigentliche Analyse der regionalökonomischen
Auswirkungen der Strukturanpassungsprogramme. Dazu wird als erstes
ein internationaler Vergleich auf der Ebene Südamerikas vorgenommen.
Dieser dient der Einordnung der bolivianischen Entwicklung in
einen übergeordneten Gesamtraum und soll die Frage (1) beantworten.
Dem folgt eine regionalökonomische Analyse innerhalb Boliviens
auf der Ebene der Departamentos, die der quantitativen
Beantwortung der Fragen (2), (3) und (4) dient. Dabei wird unterschieden
in die Analyse "harter" ökonomischer Indikatoren
wie Pro- Kopf- Einkommen und "weicher" ökonomischer
Indikatoren wie Armutsindikatoren, die der Beschreibung des Humankapitals
und damit letztendlich der Lebenssituation der Bevölkerung
dienen. In diesem empirischen Teil der Arbeit werden auch die
verwendeten statistischen Methoden präsentiert und auf ihre
Ausagekraft hin diskutiert.
Die Konzeption von Strukturanpassungsprogrammen
Strukturanpassungsprogramme sind ein Bündel von makroökonomischen
Politikmaßnahmen eines Landes, um vorgegebene makroökonomische
Ziele zu erreichen. Diese Ziele können darin bestehen, das
gegenwärtige Niveau der wirtschaftlichen Leistung zu erhalten,
oder aber - was häufiger der Fall ist-, sie können zum
Ziel haben, das Gleichgewicht zwischen aggregierter Nachfrage
und aggregiertem Angebot wieder herzustellen. Ein Ungleichgewicht
zwischen Nachfrage und Angebot zeigt sich normalerweise in Zahlungsbilanzproblemen,
steigender Inflation und geringem Produktionswachstum. Diese Merkmale
weist Bolivien 1985 auf: Hyperinflation, negatives Wachstum und
sehr hoher Anteil der öffentlichen Verschuldung am Bruttosozialprodukt.
Nachdem die bolivianische Regierung seit 1980 allein vergeblich
versucht hatte, strukturelle Probleme durch wirtschaftspolitische
Maßnahmen zu lösen, wurde mit internationaler Hilfe
durch den Internationalen Währungsfonds und die Weltbankgruppe
ein Konzept zur Strukturanpassung entwickelt und umgesetzt. Aus
den theoretischen Grundlagen wurde die Konzeption von Strukturanpassungsprogrammen
entwickelt, die zu den folgenden charakteristischen Elementen
führen. Die kurzfristig angelegten Maßnahmen des Internationalen
Währungsfonds sind:
Die von der Weltbank langfristig angelegten Maßnahmen sind:
Diese Maßnahmen wurden mit ihrem theoretischen Bezug anschließend
auf ihre zu erwartenden regionalökonomischen Wirkungen analysiert.
Die Realisierug der Strukturanpassungsprogramme in Bolivien
Bolivien begann 1985 in Zusammenarbeit mit dem IWF und der Weltbank,
ein Strukturanpassungsprogramm umzusetzen, das sich stark an klassischen
Maßnahmen der Bretton- Woods- Institute, besonders des IMF,
orientierte. Diese erste Phase erstreckte sich bis 1991. Da jedoch
die Ergebnisse nicht die Erwartungen aller Beteiligten erfüllten
und außerordentliche soziale Härten mit massivem Widerstand
der Bevölkerung auftraten, trat die Wirtschaftspolitik in
der Mitte des Jahres 1991 in die zweite Phase der Strukturanpassung
ein, die die Weltbank als "Zweite Generation von Strukturanpassungspolitik"
bezeichnet. Sie unterscheidet sich gegenüber der ersten klassischen
Phase besonders dahingehend, daß neben wirtschaftspolitischen
Maßnahmen auch ein Umbau der bestehenden Strukturen und
Institutionen vorgenommen und diese beiden Elemente miteinander
verbunden werden.
Die wesentlichen Ziele des Programms der ersten Phase von 1985
bis 1991, der "Nueva Política Económica"
(NPE = Neue ökonomische Politik) waren die Reduzierung der
Inflation, die Außenhandelsbilanz in ein Gleichgewicht zu
bringen und die Basis für ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum
zu schaffen. Folgende Maßnahmen wurden realisiert:
Der Kern politischer Aktivitäten konzentrierte sich auf den
öffentlichen Sektor:
Diese kurzfristig angelegten Maßnahmen zeigten schnell Wirkung:
Das Defizit des öffentlichen Sektors als Anteil am Bruttosozialprodukt
sank von rund 28% im Jahr 1984 über rund 12% im Jahr 1985
auf 3,8% im Jahr 1986. Die Jahresinflationsrate ging auf 66% zurück,
und das Absinken des Bruttosozialproduktes konnte gebremst werden.
Die Schließung mehrerer unrentabler Zinngruben im Rahmen
der o.g. Maßnahmen durch die staatliche COMIBOL (Corporación
Minera de Bolivia = Bolivianische Minengesellschaft) brachte Entlassungen
von mehr als 13.000 Bergarbeitern mit sich. Deren Protestaktionen
gegen die Entlassungen und die realen Preissteigerungen führten
zur Verhängung eines Ausnahmezustands in der Zeit vom 28.8.1986
bis zum 27.12.1986, in der jegliche ökonmomische Aktivitäten
im Land praktisch zum Erliegen kamen. Zum 01. Januar 1987 wurde
eine Währungsreform mit der Umwandlung von 1.000.000 Pesos
in 1 Boliviano durchgeführt. Zur Reduzierung der Auslandsschulden
kaufte Bolivien Schulden von privaten Geschäftsbanken rund
US$ 240 Mio von insgesamt US$ 570 Mio. zum Preis von 11% des ausstehenden
Betrages zurück. Die bolivianische Regierung führte
die o.g. Politik konsequent besonders mit dem Ziel des Abbaus
der Staatsverschuldung fort, so daß es bedingt durch relativ
niedrige und meist mit Monaten Verspätung ausgezahlten Löhne
es 1989 wieder zu Massenprotesten kam. Am 16.11.1989 wurde wieder
für 3 Monate der Ausnahmezustand verhängt. Diese Ergebnisse
bestätigen in diesem Rahmen auch die theoretischen Ansätze,
die dahinterstehen: Die makroökonomischen Indikatoren wie
das Pro- Kopf- Einkommen, die Auslandsverschuldung, die Inflation,
der Außenhandel und das Defizit des öffentliches Sektors
haben sich den Erwartungen entsprechend entwickelt. Das BIP und
das BIP pro Kopf haben zugenommen, die Auslandsverschuldung und
das Defizit des öffentliches Sektors haben deutlich abgenommen.
Die Inflation konnte deutlich gesenkt werden. Die Exporte sind
angestiegen.
Die makroökonomische Entwicklung und deren positiven Ergebnisse
gingen an der Mehrheit der Bevölkerung jedoch vorbei. Die
Bekämpfung der Armut, die Schaffung von Arbeitsplätzen
und sozialer Sicherungssysteme sind nach wie vor die drängendsten
Probleme. Die politische und sozioökonomische Modernisierung
des Landes wurde immer stärker zu einem Faktor der weiteren
Konsolidierung des demokratischen Systems. Resultat dieser Erkenntnis
waren die Acuerdos Políticos (= Politische Konsense) der
politischen Parteien vom 5. Februar 1991 und 9. Juli 1992, in
denen sie sich auf zahlreiche Reformen verständigten. Damit
wurde die zweite Phase der Strukturanpassung in Bolivien eingeleitet.
Auf der Grundlage der Acuerdos Políticos entwickelte die
bolivianische Regierung unter Präsident Sánchez de
Lozada 1993 bis 1994 den "Plan de todos" (= Plan von
allen). Der Plan de todos umschreibt die wichtigsten Probleme
in Bolivien mit:
Ein unzureichendes und ungleich verteiltes Wirtschaftswachstum
erodiere die Basis von Stabilität und Vertrauen, die sich
Bolivien in den Jahren zwischen 1985 und 1989 erarbeitet habe.
Eine neue Wirtschaftskrise sei nur aufgrund der ausländischen
Hilfe bislang vermieden worden. Es gehe darum, radikale und verantwortbare
Transformationen im Entwicklungsmodell zu suchen, um das Risiko
von Instabilität und Gewalt zu vermeiden. Ausgehend von dieser
nur kurz wiedergegebenen Analyse definiert der Plan de todos im
wesentlichen folgende Schwerpunktbereiche:
Die wichtigsten Elemente des Plan de todos sind die stärkere
Beteiligung der Bevölkerung an Entscheidungsprozessen durch
eine Dezentralisierung der politischen Macht und finanziellen
Ressourcen durch die Schaffung von 308 Gemeinden und die Kapitalisierung
der Staatsbetriebe. Die Besonderheit der Kapitalisierung liegt
darin, daß es sich dabei nicht um eine völlige Privatisierung
der Unternehmen im Sinne des kritisierten Ausverkaufs staatlicher
Betriebe an ausländische Unternehmen handelt. Die in Bolivien
gewählte Form der ,,Kapitalisierung" schafft eine gemischte
Aktiengesellschaft, bei der ein in- oder ausländischer Investor
maximal zu 50 Prozent Eigentümer des Unternehmens wird, der
Rest der Aktien jedoch dem bolivianischen Volk verbleibt. Die
Investoren sollen in der Höhe des festgestellten Marktwertes
Investitionen tätigen, gleichsam der Kaufpreis des jeweiligen
Unternehmens. Für diese Investitionen erhält der Investor
50 Prozent der Aktien. Der Rest der Aktien wird (Stichtag ist
der 31.12.1995) auf die rund 3,7 Millionen volljährigen Bolivianer
übertragen.
Die regionalökonomische Entwicklung Boliviens
Der südamerikanische Vergleich zur Einordnung der ökonomischen
Entwicklung Boliviens erfolgte mit Hilfe einer Shift- Share- Analyse.
Diese offenbarte, daß Bolivien in den Jahren 1985 bis 1990,
also während der ersten Phase der NPE, erhebliche Mängel
in der Struktur und Standortattraktivität aufwies. Allerdings
konnte die gesamtkonjunkturelle Entwicklung die durch diese Schwächen
entstandenen Verluste kompensieren.
Die regionalökonomische Analyse ergab folgendes: das größte
Pro- Kopf- BIP wird in den relativ dünnbesiedelten westlichen
tropischen und suptropischen Departamentos Pando, Beni und Santa
Cruz erwirtschaftet. Dabei fallen in Beni und Pando der im Vergleich
hohe Anteil des Sektors Landwirtschaft, in Santa Cruz der der
Produktion und in Santa Cruz und Beni die Wachstumsraten der Landwirtschaft
auf. Der landwirtschaftliche Produktionszuwachs, besonders Rindfleisch
und Reis, ist für das genannte hohe Wohlfahrtsniveau verantwortlich.
Demnach haben sich die Liberalisierung der nationalen Märkte
im neoklassichen Sinne und die kurzfristigen wirtschaftspolitischen
Maßnahmen 1985 bis 1986 positiv auf diese Departamentos
ausgewirkt. Karte 1:
Regionalökonomische Struktur Boliviens
Wohlfahrtsverluste weisen die Departamentos Potosi und Oruro auf;
Potosi hat das niedrigste Pro- Kopf- Einkommen. Zuwachsraten weist
Potosi nur in den Sektoren Produktion und Öffentliche Dienstleistungen
auf; die traditionell starken Sektoren Rohstoffe (Erz- Bergbau)
und private Dienstleistungen haben im Rahmen der Strukturanpassung
deutlich eingebüßt. Aufgrund komparativer Kostennachteile
erfolgte ein Abbau des Bergbaus und dem folgend der bergbaunahen
Produktion, der offentsichtlich einen Prozeß zirkulär
kumulativer Verstärkung mit negativem Trend in Gang setzte.
Ähnlich verhält es sich mit der vom Bergbau geprägten
Region Oruro. Die Departamentos La Paz, Cochabamba, Chuquisaca
und Tarija weisen in Wohlsfahrtsniveau, Struktur und Pro- Kopf-
Einkommen ähnliche Muster auf. Bei grob gleichbleibendem
Wohlfahrtsniveau haben sich die Sektoren in den einzelnen Departamentos
stark verändert und tendieren zu einem gleichen Verhältnis
zueinander. Dieses läßt sich auf die Neoklassiche Theorie
mit ihren ausgleichenden Tendenzen zurückführen. Allerdings
neutralisierte das Bevölkerungswachstum die Wohlfahtsgewinne,
so daß sich im Pro- Kopf- Vergleich keine wesentlichen Wohlfahrtsveränderungen
ergaben. Regionalökonomisch differenziert betrachtet ergibt
diese Analyse, daß in Bolivien ein Nordost- Südwestgefälle
des Wohlfahrtniveaus mit zunehmenden Disparitäten zu beobachten
ist. Insgesamt kommt es neben einer Stärkung der Landwirtschaft
in einigen Departamentos zu einer Angleichung der sektoralen Struktur
der einzelnen Departamentos. Die NPE als praktische Umsetzung
der Strukturanpassung führte zu den angestrebten Zielen,
indem komparative Kostennachteile im internationalen Vergleich
abgebaut und komparative Kostenvorteile genutzt wurden. Die Liberalisierung
der Binnenmärkte führte im Sinne der neoklassischen
Theorie zu einem internen Ausgleich der Produktionsstruktur, die
an sich auch ein ausgeglichenes Wohlfahrtsniveau nach sich ziehen
sollte. Das zunehmende Wohlfahrtsgefälle offenbart jedoch
eine dem entgegen- stehende Tendenz, die sich mit der Polarisationshypothese
nach Myrdal begründen läßt. Regionen mit komparativen
Kostennachteilen, die im Rahmen der NPE abgebaut wurden, befinden
sich in einem Prozeß negativer kumulativ zirkulärer
Verstärkung.
Die sozioökonomische Analyse Boliviens wurde mit Hilfe einer
Cluster- Analyse anhand von Indikatoren zur Grundbedürfnisbefriedigung
durchgeführt. Sie ergab, daß das Departamento Potosi
die schlechteste und das Departamento Santa Cruz die beste Grundversorgung
für die Bevölkkerung bot.
Zusammenfassung
Zusammenfassend läßt sich feststellen, daß die
Wirtschaftspolitik seit 1985 zu einer Strukturveränderung
in Bolivien geführt hat. Defizitäre Bereiche des Wirtschaftslebens
wurden abgebaut, profitable Bereiche neu erschlossen oder ausgebaut.
Dabei wurden die Grundlagen für ein auf internationalem Handel
beruhendes Wirtschaftswachstum gelegt, das zumindest langfristig
ermöglicht, das Wohlfahrtsniveau der Bevölkerung zu
verbessern, obwohl der Anpassungsprozeß mit Wohlfahrtsverlusten
verbunden war. Regionale Disparitäten ökonomischer wie
sozioökonomischer Hinsicht bestehen zwar in Bolivien und
deuten auch erst einmal auf deren weitere Zunahme hin. Begründet
mit der Polarization Reversal Hypothese ist jedoch langfristig
deren Abbau zu erwarten. Der Zufluß von ausländischem
Kapital durch ausländische Direktinvestitionen sowie der
Schuldenabbau führen insgesamt zu mehr Handlungsspielraum
der bolivianischen Politik, die bei Einsatz dieser Ressourcen
im investiven Bereich einen bedeutenden Beitrag zum erhofften
Wirtschaftswachstum leisten kann. Zum investiven Bereich gehört
auch die Verbesserung des Humankapitals wie der Ausbildung und
gesundheitlichen Versorgung.
(= Bundesländer) analysiert. Dabei werden die einzelnen Maßnahmen
der Strukturanpassung dargestellt und die räumliche Verteilung
der sozioökonomischen Entwicklung anhand ausgewählter
quantitativer Indikatoren untersucht. Dadurch wird eine ökonomische
Analyse von Wachstums- und Schrumpfungsregionen sowie die Entwicklung
von räumlichen Disparitäten unter besonderer Berücksichtigung
der Strukturanpassungsprogramme realisiert. Ein internationaler
Vergleich ermöglicht eine relative Einordnung in die südamerikanische
Entwicklung.